Bericht zur 11.Tagung München

Winnetou Tannenbaum und 1,3 im Zugabteil….

Europäische Zooförderer machen sich für Zoos noch stärker

Bürgermeisterin Christine StoblDie Überschrift erklären wir später… Vom 11. bis 14. Oktober 2007 waren 23 Fördervereine zu Gast bei den Tierparkfreunden. Auf ihrer Tagung in München legten die Europäischen Zooförderer ein klares Bekenntnis ab: Die Fördervereine wollen „ihre“ zoologische Gärten auch in Zukunft finanziell und ideell bestmöglich unterstützen. Allein in Deutschland sind ca. 15.000 Menschen in Zoofördervereinen organisiert; insgesamt repräsentieren diese Organisationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz 30 Millionen Zoobesucher.

Die Münchner Bürgermeisterin Christine Strobl eröffnete als Aufsichtsratsvorsitzende des Tierparks Hellabrunn die Arbeitstagung. Sie würdigte in ihrem Grußwort die Zooförderer als einen sehr aktiven Teil der Zivilgesellschaft. Am Beispiel der Tierparkfreunde erlebe sie immer wieder, wie engagiert und sachkundig ein Förderverein für eine städtische Einrichtung Gutes bewirke.

Gastreferent Professor Julian Nida-Rümelin betonte die Bedeutung der Ehrenamtlichen für die Zivilgesellschaft. „Letztlich muss das Fernziel,“ so der Philosoph, „eine vernetzte, globale Zivilgesellschaft sein. Denn nur so können wir den vielfältigen Verantwortungen in der Zukunft gerecht werden – Staat und Markt alleine wären damit überfordert.“ Nida-Rümelin hat der Artikel zur Tierethik im Handbuch für angewandte Ethik verfasst. Sein Bogen von unserem unlogischen Verhältnis zum Haus/Nutz/Zootier bis zur Rolle der Fördervereine im 21. Jahrhundert war faszinierend.

Udo Nagel, der Direktor des Zoos Rostock, stellte nicht nur die Anforderungen an Fördervereine dar: Fundraising, PR, Lobby für den Zoo und „hands-on“ Einsatz wie z.B. beim Bau der klimainformativen Station im Rostocker Zoo. Seine mitgebrachten Filme über eine Eisbärengeburt, Pressepremiere von Eisbärenzwillingen und dem ersten Schwimmen eines Jungeisbären beeindruckten selbst die Gäste aus Berlin…

Frank Glaw, der Amphibien-/Reptilienkurator der Zoologischen Staatssammlung München, legte die Hintergründe der Amphibienkrise dar. Zwar sei der dramatische Artenrückgang nun bewiesen. Jedoch kann der Klimawandel nicht eindeutig als Ursache belegt werden. Vielmehr sei die rasante Verbreitung des Chytrid-Pilzes die eindeutigere Ursache. Der Pilz sei wohl oftmals an Stiefelsohlen in Populationen eingeschleppt worden.

Siegfried Stauche, der Vorsitzende des Freundes- und Förderkreises Leipzig und Präsident der Gemeinschaft Deutscher Zooförderer (GDZ, die übrigens 1994 auf Initiative der Tierparkfreunde nach der ersten Tagung der Europäischen Zooförderer in Innsbruck als Antwort auf aggressive Zoogegner gegründet wurde) berichtete vom Blick über den Tellerrand: Mit Startmitteln der GDZ wird in Tallinn, Estland, eine neue Schneeleopardenanlage gebaut. Europa wächst auch hier zusammen.

Sven Thanheiser, Vorsitzender der Tierparkfreunde Hellabrunn, betonte die wachsende Verantwortung von Zoofördervereinen. „Zooförderer sind nicht nur Geldbeschaffer, sondern auch Lobby und Ratgeber für Zoos. Angesichts immer knapper werdender öffentlicher Kassen ist ein starker „Zoo-Fanclub“ eine Rückversicherung für jeden Zoodirektor“. Heiß diskutiert: „Aber auch bei Fehlentwicklungen in Zoologischen Einrichtungen könnten Fördervereine eingreifen und, wenn nötig, gegensteuern.“

Auch bei der Kommunikation einer Schlüsselaufgabe wie Artenschutz kommt den Vereinen eine wichtige Rolle zu. So hat beispielsweise die „Hailife-Kampagne“ zum Schutz der Haie gezeigt, wie effektiv die Kooperation von Zooförderern und Artenschützern sein kann. Heike Finke, Präsidiumsmitglied des NABU Deutschland e.V., gab in ihrem Vortrag Einblick in die konstruktive Zusammenarbeit zwischen NABU und den Zooförderern und lobte das große Engagement der Tierparkfreunde beim Haischutz.

Abschließend präsentierte Dipl.-Biologin Dr. Doris Schwarzer, Tierpark Hellabrunn, das neue Tier-, Natur- und Artenschutzzentrum des Zoos München. Die Tierparkfreunde hatten sich an der Umsetzung dieses Projektes mit 90.000 Euro beteiligt. Der spritzige Vortrag der Münchner Zoo-PR- und Eventleiterin machte den 70 Teilnehmern große Vorlust auf den Tierparkbesuch.

Die Begleitpersonen wurden von der Stellv. Vorsitzenden der Tierparkfreunde und Stadträtin Beatrix Burkhardt charmant-kenntnisreich durch die Münchner Innenstadt geführt. Anschließend besuchte die Gruppe die Gemälde des Blauen Reiters im Lenbachhaus.

Anschließend stand für alle eine Führung in der Paulaner Hacker-Pschorr-Brauerei an. Dank der Durchsage eines spontanen MVG-Schaffners waren die Zooförderer am Mariahilfplatz endgültig von der Bedeutung Hellabrunns für München überzeugt. Unter sehr sachkundiger Führung durchquerte die Gruppe den Nockherberg; Angesichts der Fülle von Gerstensaft in Kupfertanks wurden die Zungen immer länger: Denn am Ende wartete der Salvatorkeller! Dr. Martys, der Direktor des Alpenzoos, kommentierte die Durststrecke als „Tierquälerei“. Dabei war dies doch nur der Anschauungsunterricht für menschliche predator-and-prey-Tierhaltung (in-Sicht-Gehege von Beute und Beutegreifern) 😉 Die ersten Liter Hell und Weiß flossen alsbald… Nachdem die freundlichen Mitarbeiter nach bayerischem Mix sogar noch einen Kaiserschmarrn spendiert hatten, sorgte Herbert Huber mit seiner Quetschkommode für heftige Sangeswettbewerbe zwischen Duisburg-Innsbruck-München-Wien… Das Team Harry Kinder-Irmi-Kotz-Caro Blum brachte sogar manches Bein zum Tanzen. Je später der Abend, desto strammer die Witze… Soviel zum Thema Überschrift und einen herzlichen Gruß des Verfassers nach Österreich!

Am Samstag lösten die vier Führerinnen des Hellabrunn-Teams Begeisterung aus, der Blick hinter die Kulissen ist sogar für Zooprofis immer wieder spannend. Das Buffet des Restaurants wurde heftig gelobt! Am Sonntag besuchte eine kleine Gruppe dann noch den Tiergarten in Straubing. Direktor Peter und seine Mannschaft zeigten, dass auch ein kleiner Zoo didaktisch und zoologisch Spitze sein kann!

Wir Tierparkfreunde als Gastgeber empfanden es als Ehre, immerhin 23 Europäische Fördervereine zu Gast gehabt zu haben. Herzlichen Dank an unsere Sponsoren Stadtwerke München GmbH und Paulaner Hacker Pschorr. Und ein Dank auch an die Unterstützung des Eden Hotel Wolf, der Fa. Eurokongress, der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, dem Tierparkrestaurant und dem Tierpark selbst.

Alle Beteiligten freuen sich schon jetzt auf ein Wiedersehen 2009 in Berlin.

Sven Thanheiser

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